[Team] Stellungnahme der KHG Aachen zur beabsichtigten Erhebung von Studiengebühren für Nicht-EU-Studierende
Guido Schürenberg
gs at khg-aachen.de
Fr Jun 16 13:55:37 CEST 2017
Lieber Rat,
Diese Stellungnahme (wir sprachen beim Treffen des SR darüber) haben wir
erarbeitet und möchten sie Euch zur Kenntnis vorstellen und um Eure
Unterstützung bitten, damit wir sie an die entsprechenden Stellen
versenden und veröffentlichen können. Eure Rückmeldung erwarte ich bis
Sonntag, 18.Juni abends. Herzliche Grüße - Guido
*Studiengebühren als entwicklungspolitische Bankrotterklärung*
**Da ist die neue Landesregierung noch nicht aus den Startlöchern
und schon plant sie eine entwicklungspolitische Rolle rückwärts! Für
Herrn Lindner und den kommenden Ministerpräsidenten Armin Laschet
steht die Hoffnung auf zusätzliche Einnahmen ins Haus. Für die
meisten Studienbewerber aus Entwicklungsländern wird dies vermutlich
der Abschied vom Traum, in Nordrhein-Westfalen zu studieren. Dagegen
protestieren wir Mitarbeiter*innen und Studierende in der
Katholischen Hochschulgemeinde Aachen scharf!
1500,-€ sollen ausländische Studierende aus Nicht-EU-Ländern –
sofern sie nicht aus Syrien stammen oder als Flüchtlinge nach
Deutschland gekommen sind – künftig pro Semester an Studiengebühren
zahlen.
/Ein Beispiel aus unserer Beratungspraxis: Carlos Fernandez (Name
geändert) stammt aus Venezuela. Er war ein glänzender Schüler und
hat einen sehr guten Bachelorabschluss aus seiner Heimat
mitgebracht, um in Aachen an der RWTH nun seinen Master zu
absolvieren. Seine Familie leidet finanziell sehr unter den
katastrophalen bürgerkriegsähnlichen Zuständen in dem
lateinamerikanischen Land und kann ihn finanziell nicht
unterstützen. Ganz im Gegenteil: Sie hofft, dass er schnell und
erfolgreich studiert und dann Geld verdient, um seiner
Herkunftsfamilie das Überleben zu sichern./
Entwicklungspolitisch bedeutet ein solcher Plan, dass künftig fast
nur noch Kinder reicher Eltern aus dem außereuropäischen Ausland,
sowie einige Flüchtlinge in Nordrhein-Westfalen studieren können.
Begabte Studierende aus außereuropäischen Staaten, die heute z.B. an
der Aachener RWTH oder FH ihren Abschluss machen und dann eventuell
eine hiesige Firma als Fachkräfte verstärken, werden künftig an
anderen Orten studieren und leben.
Als Katholische Hochschulgemeinde betrachten wir dieses Signal als
ethisch unverantwortlich, wirtschaftlich kurzsichtig und für unsere
interkulturellen und interreligiösen Projekte als ausgrenzend.
Wir fordern stattdessen mehr Willkommenskultur, die uns in vielerlei
Hinsicht bereichert!
/Hauptamtlichen Team und Ständiger Rat der KHG-Aachen/
--
Guido Schürenberg
Öffentlichkeitsarbeit, Alltagsspiritualität
Katholische Hochschulgemeinde
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